Aktuelle Ausgabe

Inhalt

  • Rampenlicht

    Teilchenbeschleuniger
  • Die Zeit läuft

    8 Downhill Bikes
  • Scheibenbremsen

    10 Gravity Stopper
  • Universität

    Suspension
  • Parkbikes im Einzeltest

    Kona vs. Scott
  • Bikeparks im Wandel

    Wo stehen wir?
  • Glemmride

    Mehr als nur ein Bikefestival
  • Im Portrait

    Bikeparkcamper
  • Interview

    Mit Builder Filmer Scott Secco
  • Bikeparks

    Im Überblick
  • Pictorial

    Schwerkraft
  • Fahrtechnik

    Whip

Pictorial

mehr lesen

Letzte Ausgabe

Inhalt

  • Hungrig nach Trails

    10 Bikes à la carte
  • Knautschzone

    8 leichte Knieschützer
  • Liteville 301

    Zwei Konzepte im Vergleich
  • WorldCup Albstadt

    Sönkes erstes Mal
  • Roadtrips

    Warum sie lebenswichtig sind
  • Power to the People

    Leistungsmessung im mtb-Training
  • Beratungsstelle

    Was tun, wenn man sich nichts zu sagen hat?
  • 10 Tipps

    für den Sommer
  • Prüfstände

    Auf dem Prüfstand
  • Pictorial

    Am Matterhorn
  • Rampenlicht

    Schönes für die Kleinen
  • Monatsfrau

    Elisabeth Schwojer

Pictorial

mehr lesen

Blog

24h Race Semmering
Rennbericht Tom Rieger

15. August 2015 11:59 zum dritten Mal stehe ich jetzt schon in der ersten Startreihe beim LeMans Start des 24h race the night Rennens am Semmering. Mein Liteville 601 liegt nur geschätzte 30 Meter, aufgereiht neben dutzend anderen Bikes, von mir entfernt. Ab jetzt zählt es. Die letzten 8 Monate Training am Rennrad, in der Kletterhalle, im Schwimmbecken oder im StadtPark beim Freeletics zahlen sich in den nächsten 24h hoffentlich aus, oder waren einfach nur völlig sinnlos. Wir werden sehen.

12:00 vor mir geht das Flatterband nach oben und der Pulk rennt wie verrückt auf die Räder zu. Mein Bike liegt an fünfter Stelle und ich habe keine Probleme es zu finden. Ganz anders als ein Starter der 4er Teams der versehentlich das Bike eines Einzelstarters ergaunert und damit lossprintet bis er den Irrtum bemerkt. Die erste Runde läuft gut ich bleibe an fünfter Stelle und bringe meinen ersten Lauf des Rennens sicher nach unten während weiter hinten im Feld das Chaos herrscht.

Durch die Hochsommerlichen Temperaturen und ausbleibendem Regen in den letzten Wochen ist die Strecke extrem staubig und super rutschig. Der harte Untergrund und dazu der lose Staub und Schotter auf der Oberfläche machen die Strecke extrem schwierig und unberechenbar. Langsam angehen lautet meine Devise. Abgerechnet wird am Schluss. Davon unbeeindruckt starten Andreas Viehböck, Martin Donat und einige weitere Einzelstarter mit Vollgas in die ersten Runden. Schon bei der zweiten Abfahrt stürzt Local-Hero Bork Schützenhofer in einer extrem rutschigen Sektion direkt vor mir und verletzt sich am Arm was ihn einige Stunden später zur Aufgabe zwingt.

Dritte Abfahrt und schon bekomme auch ich Probleme. Im ersten Anlieger der Strecke welcher praktisch nur aus tiefen Löchern besteht fällt mir die Kette von der Kurbel und verhängt sich im Pedal so dass ich meine Kurbel nicht mehr bewegen kann. Die Kurbelstellung natürlich maximal ungünstig rette ich den Lauf nach unten in die Wechselzone und tausche gegen mein Liteville 901 das eigentlich für die letzte Hälfte des Rennens gedacht war. Wenns läuft dann läufts und nur wenige Runden später wundere ich mich warum ich Tropfen auf meine Brille bekomme. Da keine Regenwolke in Sicht ist muss die Ursache wohl unter mir liegen und der Staubtrockene Boden kann ebenfalls nicht der Grund sein. Das plötzlich schwammige Gefühl im Vorderreifen bestätigt meine Vermutung. Es regnet Tubeless Milch. Na toll. Platten und dass auch noch vorne. Ich rette den Lauf irgendwie in die Wechselzone und schnappe mir mein Ersatz-Ersatzbike bei dem die Federgabel ihren Job kurz vor dem Rennen an den Nagel gehängt hat. #läuft.

Die Motivation sinkt. Die Fahrer vor mir legen ein Tempo vor das ich zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Streckenbedingungen nicht fahren kann bzw. fahren will und ich habe schon in den ersten Abfahrten Probleme mit dem Material. Andreas Viehböck nimmt mir zu dieser Zeit bis zu 10 Sekunden pro Abfahrt ab. Ich entscheide, wie auch schon in den Vorjahren, mich davon nicht beeindrucken zu lassen und mein eigenes Ding durchzuziehen. Hat ja in den letzten Jahren auch gut geklappt.

Die ersten 6 Stunden sind fast geschafft und Andreas hat schon einen guten Vorsprung auf mich herausgefahren. Im Lift checke ich Routinemäßig mein Bike. Schrauben fest. Bremsbeläge so gut wie neu. Beim Reifendruck endet dann die Glückssträhne. Spätestens jetzt bereue ich die Entscheidung vor dem Rennen auf Tubeless gewechselt zu haben. Bis nach unten sollte der Druck aber noch ausreichen. Sollte.... Erste Kurve. Durchschlag. Kompletter Luftverlust. Ich versuche den Run mit aller Gewalt nach unten zu fahren und unendlich Lange 5 Minuten später schaffe ich es endlich in die Wechselzone. Meine Geduld ist am Ende. Diese eine Abfahrt war anstrengender als die letzten 6 Stunden. Gut dass ich ein Walkie-Talkie habe. Ich funke meinen Mechaniker Florian an der dieses Jahr leider nicht als Einzelstarter starten kann weil er sich das Schlüsselbein gebrochen hat. Er gratuliert mir zuerst zu erstklassiger Arbeit, denn die Felge ist übel zugerichtet. Wir beschließen auf Schlauch umzubauen und den Druck hinten auf 2,7!!! Bar zu erhöhen da sich auf der Strecke extrem viele spitze Steine herausfahren die geradezu einladen sich einen Platten nach dem anderen abzuholen. Einige Abfahrten später und nach "feinfühligem" ausbiegen der Felge mit Hammer und Meißel ist mein 901 wieder bereit und ich kann das Ersatzbike wieder abgehen. Für wie lange frage ich mich.

Gut dass bei mir wenigstens nur das Bike einstecken muss. Martin Donat muss nach einem heftigen Einschlag schließlich aufgeben und ich bin an zweiter Position hinter Andreas Viehböck und vor Lukas Klapfer der mit seinem AM-Bike auch einige Probleme hat. Andi`s Tempo ist noch immer extrem hoch und er ist kurz davor mich zu überrunden. Meine Betreuer machen langsam Druck und auch ich realisiere dass ich langsam Gas geben muss. Leichter gesagt als getan. Jetzt fängt natürlich das Schaltwerk an mir einen Strich durch die Rechnung zu machen. Zuerst lockert sich ständig der Befestigungsbolzen, den wir schließlich mit hochfestem Loctite sichern können, dann schert es den Anschlag für das Dämpferauge ab und ich habe plötzlich das lauteste Bike im Fahrerfeld weil das Schaltwerk am Rahmen anschlägt. Uns bleibt nichts anderes übrig als ein wenig SlapperTape auf das Schaltwerk zu kleben. Nicht optimal und das Schaltwerk schlägt immer weiter aus. Ghostshifting vom feinsten ist das Resultat aber ich finde wenigstens einen Gang der zuverlässig drinnenbleibt und beschließe mit diesem das Rennen weiterzufahren auch wenn er beim Raustreten aus der Gondel mehr als suboptimal ist.

24:00 Die Hälfte hätten wir geschafft und es ist Zeit endlich die verlorengegangene Zeit auf Andi reinzufahren. Mittlerweile ist auch die Strecke super griffig geworden und ich Fahre eine Abfahrt nach der anderen wie auf Schienen. Jeder Bremspunkt. Jede Linie und jede Kurbelumdrehung ist nur noch Routine und die einzige Variable bei meinen Abfahrten sind die Fahrer die es gilt zu überholen. Ich bekomme mit wie Andi jetzt langsam an Tempo rausnehmen muss. Die nächsten 6 Stunden laufen gut. In der Nacht wird es ruhig auf der Strecke, die Temperaturen werden angenehmer und das Fahren in Dunkelheit bei ausgeleuchteter Strecke macht mir extrem viel Spaß.
Jetzt bin ich schon seit 18h am Rad und im Vergleich zu den Vorjahren haben meine Muskeln noch keine Ermüdungserscheinungen. Liegt vermutlich an meiner Ernährung während des Rennens die ich dieses Jahr bei den Getränken auf 50% Leitungswasser, 50% Spezialgetränk (Danke Richard Fassl) und beim Essen auf 75% Powerbar Produkte umgestellt habe.

Zusammen mit meinen Betreuern Dave und Vroni beschließe ich jetzt voll anzugreifen. Andi`s Zeiten werden konstant langsamer und meine immer schneller. Ich fahre jetzt mit 95% Speed. Es zahlt sich aus. Immer weiter kann ich mich Andi nähern und uns trennen nur noch wenige Minuten. Doch dann wird wie jedes Jahr der Kopf in den letzten Stunden des Rennens das größte Problem. Den zweiten Platz hab ich sicher. Warum also nach 20h nicht einfach gemütlich fahren und sich mit dem zweiten Platz zufrieden geben? Dave und Vroni haben Mühe mich in dieser Situation zu motivieren. Einzig mein Mechaniker Florian schafft es noch mich aufzubauen. Er ist das Rennen schon zweimal als Einzelstarter gefahren und weiß genau wie es mir geht. Also nochmal Vollgas und alles rausholen.
Immer wieder Frage ich jetzt meine Betreuer wie weit Andi noch von mir entfernt ist. Und jedes Mal bekomme ich eine andere Antwort. Mal sind es 60 Sekunden und meine Motivation ist sofort zurück. Mal sind es kaum erreichbare 4 Minuten und ich finde mich im Kopf schon mit dem zweiten Platz ab. Meine Betreuer, die Fahrer und Leute an der Strecke pushen mich aber immer weiter und sobald ich auf der Strecke bin fühle ich mich richtig gut. Doch sobald ich wieder in der Gondel sitze würde ich ab liebsten einfach sitzen bleiben.
Andi merkt jetzt auch dass ich ihm eventuell noch gefährlich werden kann und drückt immer wieder einige gute Läufe nach unten kann den Speed aber nicht mehr konstant fahren.

Die letzten zwei Stunden sind abgebrochen. Ab jetzt gibt es nur noch Vollgas. Ich fahre einen Racerun nach dem anderen nach unten und Taste mich langsam an die Tagesbestzeit heran. Unten im Ziel angekommen steht plötzlich die Gondel still. Zu diesem Zeitpunkt hoffe ich dass sie das auch noch so lange wie möglich macht, doch nach einer kurzen Verschnaufpause stehen die letzten 5 Abfahrten auf dem Plan. Meine Zeit wird immer besser. 3:39, 3:38, und dann 3:36 bei der vorletzten Abfahrt.
Florian steigt mit in meine Gondel. Laut Florian bin ich in der gleichen Runde wie Andi und habe die gleiche Durchschnittsabfahrzeit. Kann nicht sein denke ich mir. Florian gibt mir eine letzte Anweisung. FAHR EINE 3:35 und du gewinnst das Rennen weil ich damit Andis Bestzeit von 3:36 schlage.

Ich steige oben aus dem Lift aus und muss mich sofort hinsetzen. Mein Gleichgewichtssinn ist hinüber ich kann kaum mehr gerade stehen. Ich warte bis alle Starter ihre letzte Abfahrt absolviert haben um eine freie Strecke für mich zu haben.

12:13 ich trete los. Ich gebe nochmal alles und trete wo ich nur kann. Der Run läuft gut und ich weiß dass ich meine Bestzeit toppen kann wenn ich es ins Ziel schaffe. Zielsprint. Den Kopf in den Boden gesenkt trete ich einfach drauflos ohne zu wissen wo die Zeitnahme denn eigentlich ist. Ich hebe den Kopf und vor mir sehe ich nur noch den Zielbereich gefüllt mit Fahrern auf die ich geradeaus zuschieße. Ich versuche noch zu bremsen wofür es aber zu spät ist. Ich stürze irgendwie zu Boden und bleibe liegen. Der Streckensprecher verkündet meine Zeit. 3:35. Alle um mich jubeln und ich denke für einen kurzen Augenblick an den Sieg. Falsch gedacht. In Wahrheit hätte ich eine unmögliche Zeit von 2:50 fahren müssen um Andi noch den Sieg wegzuschnappen.

Egal ich bin überglücklich es wieder geschafft zu haben. Und mit 160 Abfahrten haben Andi und ich einen neuen Rekord aufgestellt. Die Bestzeit nach 24h zu fahren obendrauf als kleines Trostpflaster.Auch die Siegerehrung verläuft dieses Jahr verletzungsfrei nachdem ich letztes Jahr den Korken von Andi`s Schampus Flasche abbekommen habe.

Zum Schluss möchte ich mich noch bei Florian Wacht und seiner Crew für dieses super Event, meinem Mechaniker Florian Drexel, meinen Betreuern David Wojan und Veronika Drexel, Richard Fassl für die Unterstützung in Sachen Ernährung, Joe Kreuzer für den Technischen Support, Liteville für die genialen Bikes, dem Chris und Hansl vom world of mtb Magazin für die Mega Unterstützung, meinen Eltern fürs Anfeuern, meiner Freundin Dani für das Verständnis während der Trainingsphase und allen anderen Beteiligten Bedanken die mich das ganze Jahr unterstützt haben. Ohne den Support wäre ein solches Rennen nicht zu schaffen.

Glückwunsch auch an Andi und sein Team das mich durch ihr super sportliches Verhalten gegenüber mir und meinem Team auch beeindruckt hat.
Ich wünsche allen viel Spaß bei den Vorbereitungen für nächstes Jahr ;)

mehr lesen

Quickkontakt

world of mtb MagazinAuwiesenstraße 1
94469 Deggendorf

+49 / 991 - 99138019
abo@wom-medien.de
rauf
Abbrechen